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Juli 9, 2003

Obdachloser von Polizisten vor der Stadt Stralsund abgesetzt - erfroren

Zwei Polizisten aus Stralsund wurden zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, weil sie mitten im Winter — bei minus vier Grad — einen völlig betrunkenen und leicht bekleideten Mann vor der Stadt auf freiem Feld ausgesetzt hatten. Der 35-Jährige Wolfgang H. (†) überlebte die „Lektion“, wie es die Beamten nannten, nicht.

Das Landgericht Stralsund befand, die beiden Polizisten hätten angesichts des Zustands des Mannes die Gefahr des Erfrierens erkennen müssen, hieß es in der Urteilsbegründung. Zudem hätten sie sich nicht an die für derartige Fälle geltenden Dienstvorschriften gehalten. Eine Ausnüchterungszelle, Platzverweis oder Unterbringung in ein Obdachlosenquartier wären richtige Wege gewesen, erklärte das Gericht.

Die 46 und 26 Jahre alten Beamten räumten den Tatbestand ein. Sie betonten dabei übereinstimmend, dass Aussetzen von Betrunkenen übliche Praxis der Polizei sei.

Dem Mann, der am 6. Dezember 2002 in einem Einkaufsmarkt randaliert hatte, hätten sie eine „Lektion“ erteilen wollen. Sie fuhren ihn vor die Stadtgrenze Stralsunds und setzten ihn auf freiem Feld aus. Zuvor hatte ein Sanitätsteam angeblich keine akuten gesundheitlichen Gefährdungen gesehen und eine medizinische Behandlung für unnötig erachtet.

Die Leiche des Obdachlosen war am nächsten Tag von Spaziergängern gefunden worden. Als Todesursache ermittelte die Rechtsmedizin Unterkühlung im Zusammenwirken mit einem Alkoholisierungsgrad von 3,5 Promille. Die Umstände, die zum Tod des Obdachlosen führten, waren erst einen Monat nach der Tat in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei öffentlich gemacht worden. Die Beamten waren vom Dienst suspendiert worden.