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Juli 11, 2010

Acht Stunden lang fuhr der leblose Mann mit dem Linienbus durch Magdeburg

In einem Linienbus in Madgeburg erlitt der 60-jähgrige Gregori S. einen schweren Schlaganfall. Vermutlich versagte zuerst die Stimme, danach wurde er ohnmächtig. Das Leiden des Mannes bemerkte niemand: Der leblose Mann fiel weder einem der Fahrgäste noch einem der beiden Busfahrer (46 und 54 Jahre) auf. Erst nach acht langen Stunden bemerkte man den leblosen Mann, nachdem er fast den ganzen Tag lang durch die Stadt gefahren wurde — Von Endstation zu Endstation. Auch beim Schichtwechsel fiel er leblose Mann nicht auf. Das bestätigte eine Sprecherin der städtischen Verkehrsbetriebe in Magdeburg. Für den Mann war es schon zu spät: Er starb wenige Tage später im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Busfahrer wegen unterlassener Hilfeleistung.

Seine Tochter Jana S., 38, erstattete Anzeige bei der Polizei. Sie hatte sich Sorgen gemacht, als ihr Vater nicht wie verabredet nach Hause kam. Sprachlos war die Frau, als sie erfuhr, dass ihr Vater erst am Abend aus einem Bus in die Klinik gebracht worden war. Er hatte am Morgen sein Auto abholen wollen. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten.

Christoph Kreienbaum, Sprecher der Hamburger Hochbahn kann sich einen solchen Fall wie in Magdeburg nicht vorstellen. "Es gibt in Hamburg eine Betriebsanweisung, nach der Busfahrer regelmäßig ihr Fahrzeug überprüfen müssen." Wenn der Fahrer die Endhaltestelle erreiche, habe er in der Regel genügend Zeit für eine kurze Kontrolle.

Wenn ein Fahrgast den leblosen Mann beachtet hätte, könnte er heute noch leben.

Pro Jahr erleiden 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, bei dem das Gehirn plötzlich nicht mehr richtig funktioniert. In 80 Prozent der Fälle werden gehirnversorgende Blutgefäße verschlossen, etwa durch ein Blutgerinnsel. In 20 Prozent der Fälle kann ein Schlaganfall auch durch Blutungen im Inneren des Gehirns entstehen.

Schnelle Hilfe ist besonders wichtig. Dr. Tobias Bäumer, Facharzt für Neurologie an der Uniklinik Eppendorf in Hamburg rät: „Wer Zeuge eines Schlaganfalls wird, sollte sofort die Feuerwehr rufen und den Betroffenen ins Krankenhaus bringen lassen, wo bei einer neurologischen Diagnose die Art des Schlaganfalls festgestellt werden kann.“ Die Mediziner haben dann die Möglichkeit, das verstopfte Blutgefäß schnell wieder zu öffnen und so die Blutversorgung wiederherzustellen.

Wiederbelebungsmaßnahmen sollten Helfer nur im Notfall ergreifen. Wichtig seien stabilisierende Maßnahmen. Dazu gehöre es, den Patienten mit erhöhtem Oberkörper und geradem Kopf zu lagern und dafür zu sorgen, dass er seine Zunge nicht verschlucken kann.

„Ein Schlaganfall kann vielgestaltig sein. Er kann einhergehen mit einer Bewusstseins- oder Sehstörung, mit motorischen Störungen oder Taubheitsgefühlen in Gliedma&azlig;en. Meistens treten diese Beeinträchtigungen nur halbseitig auf“, sagt Bäumer. „Welcher Art die Symptome sind, hängt auch davon ab, welche Gefäße im Gehirn betroffen beziehungsweise unterversorgt sind.“ Ein Schlaganfall tritt immer plötzlich auf.