Deutschland, Nazis, Skandal

November 30, 2014

In Deutschland "dürfen" sich Strafgefangene unter strengen Voraussetzungen kastrieren lassen. Das Anti-Folter-Komitee des Europarates hält das für eine „menschenunwürdige körperliche Verstümmelung„ und fordert eine Änderung des Kastrationsgesetzes (KastrG) von 1969. Die Bundesregierung verspricht nun eine „multidisziplinäre Debatte“ unter Beteiligung des Ethikrats wie Die Welt berichtete.

Das Anti-Folter-Komitee hat für seinen Bericht die Justizvollzugsanstalten in Frankfurt, Diez (Rheinland-Pfalz), Freiburg und die Sozialtherapeutische Anstalt in Hohensperg (Baden- Württemberg) aufgesucht sowie den Kontakt zum Bundesjustizministerium aufgenommen.

Die Untersuchung dauerte Monate. Zwischen 1970 und 1980 wurden deutschlandweit noch rund 430 Häftlinge kastriert. Von 2000 bis 2013 lediglich 29 Anträge, wovon 11 bewilligt wurden.

Bei der Kastration von Männern nach dem Kastrationsgesetzes (KastrG) geht es gegen die Auswirkungen eines abnormen Geschlechtstriebes gerichtet ist und durch welche die Keimdrüsen entfernt oder dauernd funktionsunfähig gemacht werden, § 1 KastrG.

Erlaubt ist eine Kastration nur, wenn der Betroffene eingewilligt und das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat. Die Behandlung muss außerdem nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft angezeigt sein, um schwerwiegende Krankheiten, seelische Störungen oder Leiden, die mit dem abnormen Geschlechtstrieb zusammenhängen, zu verhüten, zu heilen oder zu lindern. Die Kastration darf keine körperlichen oder seelischen Nachteile zur Folge haben, die zu dem mit der Behandlung angestrebten Erfolg außer Verhältnis stehen. Zustimmen muss auch ein Gutachterausschusses.

Die Freiwilligkeit der Einwilligung ist bei Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten problematisch, da sie sich durch die Kastration eine Strafmilderung oder gar eine Freilassung erhoffen können.

Foto: Dr. Josef Mengele, Arzt in Konzentrationslager Auschwitz, bekannt für seine Menschenversuche.